letzte Aktualisierung | 19.08.2008
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Friedrich und Ernst Keller, Dermbach in der Rhön

Die ur- und frühgeschichtliche Sammlung in der Amtsapotheke in Dermbach in der Rhön (heute Wartburgkreis) geht in ihrem wesentlichen Bestand auf den Apotheker Ferdinand Keller (*31.8.1851 in Mannheim, +4.9.1931 in Dermbach) zurück. Durch seine mehrjährige Tätigkeit in Apotheken der Schweiz lernte dieser die seinerzeit Aufsehen erregenden Funde aus den Schweizer "Pfahlbauten" kennen und kam in persönlichen Kontakt mit deren Ausgräber, seinem Namensvetter Ferdinand Keller. Ihm und dem Straßburger Prähistoriker Robert Forrer verdankt er seine ersten Kenntnisse auf vorgeschichtlichem Gebiet. Gleichzeitig wurde seine Neigung geweckt, selbst vorgeschichtliche Altertümer zu sammeln. Als Ferdinand Keller im Jahr 1850 die Amtapotheke in Dermbach in der Rhön übernahm, brachte er bereits eine Anzahl Fundstücke mit, die vorwiegend aus Schweizer "Pfahlbauten" stammten. In der neuen Heimat vergrößerte sich die Sammlung rasch durch eigene Funde aus der thüringischen Rhön (nach Peschel 1961, 1).


Nach dem Tode von Ferdinand Keller ging die Sammlung in den Besitz seines Sohnes Ernst Keller (*21.7.1883 in Dermbach, +1969 ebd.) über. Dieser hatte die Begeisterung seines Vaters für das Fach "geerbt" und bereits während seines Studiums in Jena Lehrveranstaltungen zur Ur- und Frühgeschichte bei Gustav Eichhorn besucht. Später verband ihn eine enge Freundschaft mit Prof. Dr. Gotthard Neumann. Aus Anlaß der hundertjährigen Gründung des Germanischen Museums machte Ernst Keller seine Sammlung 1963 der Universität Jena zum Geschenk. 1966 wurde sie in den Bestand der ur- und frühgeschichtlichen Sammlung übernommen.


Pharmazierat Ernst Keller und seine Sammlung in Dermbach/Rhön um 1963.

Die Sammlung Keller/Dermbach umfaßt etwa 500 Fundobjekte vom Paläolithikum bis in das späte Mittelalter. Sie stammen in erster Linie aus Dermbach und Umgebung, dem ehemaligen Kreis Bad Salzungen und den umliegenden Altkreisen Eisenach, Schmalkalden und Meiningen. Seltener sind Funde aus dem übrigen Thüringen, aus Osthessen (Umgebung von Fulda) und Unterfranken (Ostheim vor der Rhön, Bildhausen) sowie Sachsen-Anhalt (Bad Bibra, Schwerz-Gödewitz) und "Sachsen".
Die meisten der thüringischen Funde fanden bereits im sogenannten Dreimännerwerk [2][0] Erwähnung. Zu den herausragendsten Funden gehört zweifellos der sogenannte "Schwurring" von Öchsen, der 1934 von Gotthard Neummann ausführlich vorgestellt wurde.

Hinzu kommen einige Funde aus Nord- und Ostdeutschland (Frankfurt/Oder, Jeßnitz, Insel Rügen), Westdeutschland (Godelheim, Sinsheim, "Rheinland?"), Nord- (Meilgard auf Jütland, "Schleswig", "Jütland", "Dänemark") und Westeuropa ("England"; "Belgien"; verschiedene französische Fundorte, z.T. von Forrer). Wie bereits oben erwähnt stammen die meisten nichtdeutschen Funde aus der Schweiz vom Bodensee, Züricher See und Neuenburger See. Neben ostmitteleuroäischen Funden aus Polen ("Schlesien"; Arnoldsdorf, Kr. Briesau, Westpreussen; Lorenzberg bei Kulm, Westpreussen), Böhmen und Ungarn und solchen der Klassischen Antike aus Italien ("bei Mailand - von Forrer ", "Rom", "Pompeji") sind auch Funde aus Kleinasien ("Insel Melos", "Troas - von Forrer", "Pergamon"), dem Vorderen Orient ("Nazareth", "Er-Ramleh", "Bethlehem" und "Jerusalem"), Ägypten ("Eayum", "Achmin - von Forrer") und Westafrika ("Rio d' Oro") vertreten.
Desweitern umfaßte die Sammlung Keller auch ethnologische Gegenstände aus Südamerika und dem Südseeraum.

Die Sammlung wurde 1961 von Karl Peschel in Dermbach katalogisiert:
Karl Peschel, Katalog der vor- und frühgeschichtlichen Funde der Sammlung Keller, Dermbach/Rhön. 2 Bd. 1. Die Funde aus Mitteldeutschland. 2. Die Funde aus Nord- und Westdeutschland und die außerdeutschen Funde. Mschr. Manuskript Jena 1961/62.

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