Restauratorische und konservatorische Betreuung der Sammlung
Die aus über 45000 Inventareinheiten bestehende Sammlung des Bereichs für Ur- und Frühgeschichte ist durch eine für archäologische Objekte charakteristische breite Materialpalette gekennzeichnet. Neben Keramik und Metallobjekten aus Eisen, Kupferlegierungen, Silber und Gold sind Artefakte aus Stein, Knochen, Elfenbein (Mammutzähne), Bernstein, Glas und Holz vertreten:
Frühgeschichtliche Keramik, darunter fünf Gefäße (unten) als Kultfund aus Greussen, Kyffhäuserkreis, mit dem berühmten Schweinegefäß.
Kaiserzeitliche Bernsteinperlenkette und Silberhalsreif aus Dienstedt, Ilm-Kreis.
Jungsteinzeitliche Muschelkette und Hundezahnkette aus Gehofen, Kyffhäuserkreis.
Bronzezeitlicher Hortfund aus Kunitz, Stadt Jena, mit Bronzespiralscheiben, Arm- und Halsringen, sowie ein Bronzeantennenschwert mit Scheide aus Münchenroda.
Ein großes Problem stellen dabei die zum Teil stark differierenden materialspezifischen Anforderungen an die Aufbewahrungsbedingungen (Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit) dar, deren Erfüllung in den bisherigen Räumlichkeiten enge Grenzen gesetzt sind. Eine ständige Zustandskontrolle der Sammlungsstücke aus besonders empfindlichen Materialgruppen ist daher unumgänglich.
Korrosive Ausblühungen an einem Eisenobjekt aufgrund zu feuchter Lagerung.
Zum Beispiel unterliegt Eisen bereits bei Luftfeuchtigkeitswerten über 40% atmosphärischer Korrosion, was in der Bildung von Flugrost auf der Metalloberfläche sichtbar wird. Diese Rostpartikel können durch ihre hygroskopischen (Feuchtigkeit anziehenden) Eigenschaften bei ungünstigen Klimabedingungen schließlich zu tiefergreifender Lochfraßkorrosion führen. Ein typischer Schadensfaktor von bodengelagertem Metall, aber auch Keramik, sind die eingedrungene Salze aus dem Liegemilieu, die - bei unzureichender Behandlung - in Form von Kristallisationsprozessen das Material von innen sprengen können. In diesen Fällen sind entsprechende Entsalzungsmaßnahmen und konstante Klimawerte hinsichtlich der Lagerung notwendig.
Mammut-Stoßzahn aus Altendorf, Saale-Holzland-Kreis
Aber auch organische Materialien, wie zum Beispiel Mammutzähne, werden durch eine unzureichende Lagerung nachhaltig geschädigt.
Elfenbein gehört zu den hygroskopischen Materialien, die bei sich ändernder Luftfeuchtigkeit schwinden und quellen. Schwundrisse und Sprünge treten als Folge von Spannungen bei zu starker Trockenheit und wechselnder relativer Luftfeuchtigkeit auf. Außerdem kann übermäßige Härte von früher verwendeten Klebemitteln Spannungen und schließlich Rissbildung verursachen. Das entstehende Rissnetz dehnt sich schließlich soweit aus, dass es zum Abplatzen von Schollen und Bruchstücken kommt.
Biogener Befall, wie Insekten oder Schimmelpilze, kann zu weitreichenden Schäden an organischem Material führen.
Mikroskopische Überprüfung von Schadensprozessen am Objekt
Zu den Präventivmaßnahmen zählen hier, neben der Klimaüberwachung, eine regelmäßige Zustandskontrolle und Reinigung der Objekte, da bereits Staubauflagerungen als Nahrungsquelle für mikrobiellen Befall dienen können.
Zur Erhaltung der Originalfunde trägt indirekt auch die Anfertigung von Repliken bei, die als Anschauungsobjekte für Studien- und Ausstellungszwecke und museumspädagogische Arbeit genutzt werden können. Während der vielen Jahre restauratorischer Arbeit an der ur- und frühgeschichtlichen Sammlung sind bereits über 200 Abgussformen bedeutender Sammlungsstücke angefertigt worden.
Herstellung einer mehrteiligen Negativform am Originalgefäß
Die fertige dreiteilige Negativform aus Gips
Die dreiteilige Gussform und der Gipsabguss vom Original
Das Originalgefäß (links) und der Gipsabguss (rechts)