5. 1968–1991 - Von der „Dritten Hochschulreform der DDR“ bis zur „Abwicklung“
Am 1. Januar 1968 wurde Behm-Blancke erneut zum Direktor des Vorgeschichtlichen Museums, Instituts für prähistorische Archäologie, ernannt. In Vorbereitung der sogenannten "Dritten Hochschulreform der DDR" 1968 wurde er durch den Rektor der Friedrich-Schiller-Universität im Februar 1968 angewiesen, das Institut bis zum 31. Juli mit dem Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens in Weimar räumlich zusammenzuführen. Daraufhin wurden die Funde der ehemaligen Schausammlung in die Wasserburg Kapellendorf und die Magazinbestände auf den Boden der Verwaltungsschule in Weimar ausgelagert. Das Gebäude in der Ibrahimstr. 24 (heute Forstweg) mußte aufgegeben werden. Die Arbeit der vier Mitarbeiter konnte zunächst in zwei Räumen des Museums in Weimar fortgeführt werden.
Peschel, der 1969 zum Kustos der Sammlung ernannt wurde, konnte mit dem Verweis auf die reiche Sammlung jedoch erreichen, daß das Universitätsinstitut seine Eigenständigkeit behielt und als Wissenschaftsbereich Ur- und Frühgeschichte innerhalb der neu gegründeten Sektion (Philosophie und) Geschichte an der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität fortbestand. 1973 fand die Einrichtung auf dem Ernst-Thälmann-Ring 24a (heute wieder Löbdergraben) ein neues Domizil. 1974-77 kam es nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten zur Rückführung der Sammlungsbestände, die – wie auch die Fachbibliothek und das Archiv – damit für Forschung und Lehre wieder nutzbar wurden.
Behm-Blancke war vom 1. September 1969 bis zu seiner Emeritierung am 31. Dezember 1977 Professor mit Lehrstuhl (ordentlicher Professor) und Leiter des Wissenschaftsbereichs Ur- und Frühgeschichte der Sektion Geschichte. Er starb am 23. März 1994. Nachdem Peschel im Dezember 1975 die Promotion (B) – entspricht der Habilitation – erlangt hatte, wurde er 1977 zum Leiter des Bereichs für Ur- und Frühgeschichte ernannt. 1978 erhielt er die Facultas docendi und wurde 1979 zum Hochschuldozenten berufen. Seit 1974 konnte mit Karin Peschel wieder eine Mitarbeiterin beschäftigt werden. Von 1979 bis zu ihrem Wechsel an das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens im September 1989 war Eva Speitel als Assistentin tätig.
Prof. Dr. Behm-Blancke 1977 (Foto A. Weidig).
Entsprechend den Vorgaben der „Dritten Hochschulreform" wurde 1968 in Jena wie auch in Leipzig und Greifswald die Ausbildung zum Fachwissenschaftler eingestellt. Damit verringerte sich die Zahl der wissenschaftlichen Abschlüsse. Die Lehre war nun auf die Ausbildung von Geschichtslehrern ausgerichtet. Dabei besuchten jeweils zwischen 60 und 100 Studierende der Fachkombinationenen Deutsch/ Geschichte, Russisch/ Geschichte und Körpererziehung/ Geschichte die Vorlesungen, Seminare, Übungen und Konsultationen. Außerdem wurden von Peschel gelegentlich Lehrveranstaltungen vor Studierenden der Sektion Altertumswissenschaften und Vorträge im Rahmen der Lehrerweiterbildung des Bezirks Gera abgehalten.
Schwerpunkt der Forschungstätigkeit war die vorrömische Eisenzeit im Mittelgebirgsraum unter besonderer Berücksichtigung der Problematik von Kelten und Germanen. Dabei sind zum einen die Neubearbeitung des germanischen Gräberfeldes Großromstedt und zum anderen Untersuchungen zur keltischen Besiedlung Südwestthüringens in der Hallstatt- und Latènezeit, insbesondere zu den Gleichbergen bei Römhild, durch Karl Peschel hervorzuheben. Die Hallstattzeit zwischen Elbe und Weißer Elster (Billendorfer Kultur) wurde durch Karin Peschel untersucht, Eva Speitel widmete sich der jüngeren Bronzezeit zwischen mittlerer Saale und Werra (Unstrutgruppe).
Die eingeschränkten personellen, technischen und finanziellen Möglichkeiten erlaubten bis 1989 nur kleinere Grabungen und Notbergungen. Dem Bereich oblag allerdings weiterhin die Bodendenkmalpflege im Stadtgebiet und im Kreis Jena. Die Studierende der Sektion Geschichte beteiligten sich außerdem an mehreren Grabungen des Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens, beispielsweise auf der keltischen Siedlung Jüchsen bei Meiningen (1973–74).
Blick in den Seminarraum mit der Studiensammlung.
Nach der Rückführung der Sammlung seit 1974 begannen Neuordnung der Bestände, Ausbau der Studienmöglichkeiten und Umbau von Räumen im 1. Geschoß für die Restaurierungswerkstatt und das Magazin. Der Großteil der Schausammlung, darunter auch die umfangreiche Hallstattkollektion aus Mittelitalien und die Funde der Lausitzer Kultur aus Schlesien, ist seitdem im Seminarraum und einem weiteren Raum im 2. Geschoß sowie den Fluren des Gebäudes aufgestellt. Sie dient in erster Linie als Lehrsammlung für Studierende. Durch die neue Studiensammlung nicht erfaßte Stücke wurden in den Magazinablauf eingereiht. Anschließend wurde die Restaurierung, Inventarisierung, Katalogisierung und zeichnerische Erfassung der Altbestände und neu eingegangener Materialien vorangetrieben.
Nach der politischen Wende und der Wiedervereinigung Deutschlands wurden im Dezember 1990 alle Mitarbeiter der Einrichtung aufgrund der Zugehörigkeit zur Sektion Geschichte „abgewickelt“, d.h. mit befristeten Verträgen neu eingestellt.