4. 1945–1967 - Vom Neuanfang nach dem Krieg bis zur Emeritierung G. Neumanns
Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft begann Neumann im Juni 1945 mit der Reorganisation des Instituts und dem Wiederaufbau des Museums, das auf sein Betreiben hin in "Vorgeschichtliches Museum der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für prähistorische Archäologie" umbenannt wurde. Unter der Sowjetischen Militäradministration Thüringens (SMATh) wurde Neumann zunächst am 30. November 1945 als Wissenschaftler bestätigt, am 15. Dezember 1945 aber aufgrund seiner NSDAP-Anwärterschaft zusammen mit seinem Assistenten Heinrich Rempel (1901–1978) dienstentlassen, obwohl sich die Universität und zahlreiche Fachkollegen für seine weitere Anstellung eingesetzt hatten. Die Geschäfte führte nun vertretungsweise Dr. phil. Gerhard Mildenberger.
Die Lehrtätigkeit ruhte bis zum 13. Oktober 1947, als Dr. phil. Günther Behm (ab 1953 Behm-Blancke; 1912–1994) zum kommissarischen Direktor des Museums bestellt und ihm gleichzeitig ein Lehrauftrag für Ur- und Frühgeschichte erteilt wurde. Behm hatte schon im Mai 1947 die Leitung des Städtischen Museums für Urgeschichte in Weimar und im Oktober die Aufgaben des staatlichen Vertrauensmannes für Bodenaltertümer übernommen. Nach seiner Habilitation 1949 wurde er am 20. Dezember 1949 zum Dozenten für Vorgeschichte, am 1. Januar 1951 bzw. 1. November 1953 zum Professor mit Lehrauftrag und am 1. Januar 1961 zum Professor mit vollem Lehrauftrag für Ur- und Frühgeschichte ernannt.
Prof. Behm-Blancke um 1950 (Foto A. Weidig).
Neumann, der nach seiner Entlassung seit dem 1. Juli 1947 zunächst als technischer Mitarbeiter und Präparator für - nach seinen eigenen Worten - „reine physische Arbeiten“ wieder am Museum beschäftigt war, wurde am 1. Januar 1950 wissenschaftlicher Assistent und am 1. Januar 1953 Oberassistent. Zum 1. November desselben Jahres wurde Neumann zum Professor mit vollem Lehrauftrag für Ur- und Frühgeschichte (entspricht ao. Prof.) und gleichzeitig zum Direktor des Vorgeschichtlichen Museums, Institut für prähistorische Archäologie, ernannt. Am 1. Oktober 1956 wurde er zum Professor mit Lehrstuhl (entspricht o. Prof.) befördert, am 1. September 1967 emeritiert. Er starb am 29. April 1972 in Jena.
Prof. Neumann um 1960.
Die Assistentenstelle wurde am 1. Juli 1947 mit Frau Dr. Waldtraut Schrickel besetzt, die schon ab dem 1. Dezember 1945 als Volontärassistentin tätig gewesen war. Zum Sommersemester 1949 erhielt sie die Lehrberechtigung und am 1. August 1950 einen Lehrauftrag. Sie habilitierte sich 1952 und wurde am 1. Juli desselben Jahres Dozentin. Nachdem sie von der Teilnahme an einer Tagung in der Bundesrepublik Deutschland im April 1958 nicht zurückgekehrt war, blieb die Stelle zunächst unbesetzt.
Am 1. Juli 1959 trat Karl Peschel (*1934) als Oberassistent in die Dienste der Einrichtung.
"Alte Belegschaft" um 1953: Frau Wesseli (Sekretärin), Dr. W. Schrickel, L. Hanslik, H. Roessner (Zeichner), H. Münster, Prof. Dr. G. Neumann.
Neumann betreute zwischen 1953 und 1970 fünf Dissertationen und 24 Diplomarbeiten, Behm-Blancke von 1949 bis 1967 drei Dissertationen und vier Diplomarbeiten. Bei diesen und in der akademischen Lehre wurde die Konzentration auf thüringische Themen nicht zuletzt aufgrund der politischen Situation beibehalten. Einen neuen Forschungsschwerpunkt bildeten die Untersuchungen zur vorrömischen Eisenzeit, besonders die Erforschung der Steinsburg bei Römhild, die Neumann 1949 nach dem Tod Götzes übernahm. Zahlreiche Rettungs- und Forschungsgraben wurden im weiteren Umfeld von Jena durchgeführt. Schrickel widmete sich besonders dem Neolithikum, Neumann der vorrömischen Eisenzeit und dem Mittelalter.
Die im August 1949 wiedereröffnete Schausammlung des Jenaer Instituts wurde Studiensammlung für Studierende und Fachleute, während das Museum in Weimar ab 1953 zum staatlichen Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens und Zentrum der Bodendenkmalpflege ausgebaut wurde. Anläßlich der Vierhundertjahrfeier der Universität konnte Neumann 1958 eine Neuaufstellung der Sammlung vornehmen. Zur Vervollständigung der Jenaer Sammlung wurden weiterhin mehrere Privatsammlungen angekauft bzw. von Sammlern gestiftet.
Restaurator Leo Hanslik um 1960.
Die Restauratorenstelle war seit 1949 mit Leo Hanslik besetzt, der gleichzeitig auch als Grabungstechniker tätig war. Ab 1957 wurde er von Hildegund Fröhlich (ab 1965 Storch) unterstützt.