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Was bandkeramische Siedler gegen Ende des 6. Jahrtausends v. Chr. dazu veranlasste, ihre Niederlassungen zu bewehren, darüber gibt es zahlreiche Spekulationen. Klar ist, dass in weiten Teilen des Siedlungsgebietes in der jüngeren und jüngsten Kulturphase eine Zunahme solcher Erdwerke erkennbar wird. Es liegt also nahe, darin nicht eine lokale Erscheinung zu sehen, sondern sie als Ausdruck eines tiefergreifenden Wandels zu verstehen, der vielleicht mit dem Ende der bandkeramischen Kultur selbst in unmittelbarem Zusammenhang steht. Die bandkeramische Siedlung mit Erdwerk bei Dalheim ist nicht isoliert zu betrachten. Sie reiht sich ein in eine Kette von Siedlungsstellen, deren nächste bei Aßlar im Dilltal bekannt ist. Weitere bandkeramische Fundstellen schließen sich nach Osten lahnaufwärts bei Waldgirmes, Atzbach und Heuchelheim an. Meist sind es ganz ähnliche topografische Lagen, die bevorzugt werden. In Verbindung mit den geringen Distanzen der Fundplätze untereinander lässt sich die systematische Aufsiedlung des Lahntales in jener Zeit erkennen. Dass dem neu entdeckten Fundplatz bei Dalheim im bandkeramischen Siedlungsgefüge eine besondere Bedeutung zugekommen sein dürfte, legen seine Ausdehnung sowie die Umwehrung nahe. Der Bau eines Erdwerks dieser Größe mit einem 2-3m breiten und geschätzten 700-1000m langen Grabenverlauf stellt eine beachtliche Gemeinschaftsleistung dar, die eine erhebliche logistische und soziale Organisation voraussetzt. Mit dem Fundplatz Dalheim greifen wir an der mittleren Lahn ein neuen Besiedlungsschwerpunkt, der helfen könnte, die Lücke im bandkeramischen Besiedlungsbild zwischen Nordhessen und der Wetterau zu schließen. Dem unermüdlichen Einsatz ehreamtlicher Denkmalpfleger sowie modernen archäologischen Untersuchungsmethoden ist es zu verdanken, dass eine lange vernachlässigte Altsiedellandschaft nunmehr Schritt für Schritt ihre älteste Geschichte preisgibt. Literatur: A. Schäfer, Eine Altsiedellandschaft gibt ihr Geheimnis preis. Die Entdeckung einer bandkeramischen Siedlung mit Erdwerk im Lahntal bei Wetzlar. Hessen Archäologie 2002 (2003), 33-36. A. Schäfer, Produktionsstandort Wetzlar-Dalheim. 2000 Jahre Eisengewinnung am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges. Berichte der Kommission für archäologische Landesforschung in Hessen 7, 2002/2003, 194-207. H.-P. Wotzka, Ein Erdwerk der späten Bandkeramik in Usingen. HessenArchäologie 2001, 38-41. M. Posselt, Bandkeramik - Geomagnetik - Landschaftsarchäologie. Die Magnetometer-Prospektion der bandkeramischen Siedlung Butzbach-Fauerbach v. d. H., "Gerhardsköppel", Wetteraukreis. Berichte der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen 6, 2000/2001, 41-52. J. Kneipp, Die frühesten Bauern im Lahn-Dill-Gebiet. Erkenntnisse zur heimischen Jungsteinzeit am Beispiel des bandkeramischen Siedlungsplatzes von Lahnau-Waldgirmes (Wetzlar 1998). J. Kneipp, Bandkeramik zwischen Rhein, Weser und Main. Studien zu Stil und Chronologie der Keramik. Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 47 (Bonn 1998). H. Janke, Vorgeschichte des Kreises Wetzlar. Das Neolithikum. Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins 2 (Wetzlar 1973).
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