letzte Aktualisierung | 21.05.2008
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Frühe Metallgewinnung im mittleren Lahntal

In einem Randgebiet der rohstoffreichen Mittelgebirgszone zwischen Butzbach, Weilburg und dem keltischen Oppidum auf dem Dünsberg wurden im Rahmen des interdisziplinären Projekts systematisch die Relikte prähistorischer bis mittelalterlicher Eisengewinnung gesichtet und bewertet.
Im Rahmen eines zweistufigen Konzepts (Abb. 1) eröffneten lagerstättenorientierte Prospektionen entlang der Rot- und Brauneisenerzzüge der nördlichen Lahnmulde zunächst einen Überblick über die gesamte Montanlandschaft. und den erhaltenen Denkmälerbestand. Im Anschluss ermöglichten kombinierte Detailprospektionen ausgewählter Fundplätze mit Hilfe von geomagnetischen Messungen, Bohrprogrammen, 14C-Datierung und Sondagegrabungen tiefere Einsichten in Art und Struktur einzelner Fundplätze dieses bisher kaum bekannten vor- und frühgeschichtlichen Montanreviers am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges (Abb. 2)
Abb. 1


Abb. 2


Im Verlauf des Projekts konnte, erstmals für Hessen, eine Schmiedewerkstatt der jüngeren Eisenzeit (Mittellatènezeit) in Lahnau-Atzbach ausgegraben werden, die detaillierte Einblicke zur keltischen Metallverarbeitung im Vorfeld des Dünsberges geben kann. Nur zwei Kilometer südlich der Fundstelle lag bei Dutenhofen ein fast zeitgleicher Eisenverhüttungsplatz, der durch den Kiesabbau in der Lahnaue angeschnitten worden war (Abb. 3).


Forschungsstand zu den metallurgischen Fundplätzen an der mittleren Lahn.

Besonderes Augenmerk wurde in den Jahren 2001-2003 auf ein Fundstellenensemble bei Dalheim am Westrand der Stadt Wetzlar gelegt. Auf engstem Raum (ca. 500x1000 m) konnten hier mittlerweile mindestens fünf meist mehrperiodige Siedlungsplätze mit Eisenverhüttung und Schmiedetätigkeit lokalisiert werden, deren chronologischer Rahmen von der jüngeren Eisenzeit (4.-1. Jh v. Chr. ) über die römische Kaiserzeit (1.-4. Jh. n. Chr.) bis ins Früh- und Hochmittelalter (5.-12. Jahrhundert) reicht. Großflächige geomagnetische Prospektionen (40 Hektar) erfassten dabei auch eine Grabenanlage, die sich samt zugehöriger Langhäuser als jungsteinzeitliches Erdwerk identifizieren ließ. Mit einer Innenfläche von über 3 ha handelt es sich um das größte bisher bekannt gewordene spätbandkeramische Erdwerk Hessens. Auf besonders eindrückliche Weise zeigt dieser Befund den Charakter des Lahntals als Altsiedellandschaft.

In den Jahren 2002/2003 erschloss eine Grabung auf Fundstelle C32 in Wetzlar-Dalheim eine dieser mehrperiodigen metallurgischen Fundstellen, an der sich Eisenverhüttung und -weiterverarbeitung sowohl der Eisenzeit, als auch des frühen Mittelalters nachweisen ließ (Abb. 4).


Abb. 4. Bildgrundlage: Dig. Orthophoto, Copyright Hess. Landesvermessungsamt.
Durch ein gezieltes archäometallurgisches Analyseprogramm gelang es mittlerweile für die Gesamtregion, die Entwicklung der Prozesstechnologie von der Eisenzeit bis ins Mittelalter nachzuvollziehen. Bodenkundliche Begleituntersuchungen und botanische Großrestanalysen werden daneben Rückschlüsse auf Umwelteinflüsse und Umweltveränderungen geben. Erst die Zusammenführung von Archäologie, Naturwissenschaften und Geschichtsforschung wird es erlauben, diese Altsiedellandschaft und Montanregion in ihrer Komplexität begreifen zu können.

Literatur:
A. Schäfer/ B. Schroth, Ein neuer Fundplatz der "Gießener Gruppe" aus der älteren römischen Kaiserzeit. Hessen Archäologie 2006 (2007), 86-89.
A. Schäfer, Erzrevier an der Lahn. Jahrtausende in Eisen. Archäologie in Deutschland 1/2007, 6-11.
A. Schäfer, Kontinuität oder Neubeginn? Frühmittelalterliches Eisengewerbe im Mittelgebirgsraum. Zeitschrift für die Archäologie des Mittelalters 33, 2005, 263-266.
A. Schäfer, New Evidence of Early Iron Production in the Central Highlands of Germany. In: E. Hjärthner-Holdar, Chr. Risberg (Hrsg.), The Introduction of Iron in Eurasia. International Conference Uppsala 4.-8. 10. 2001 (im Druck).
A. Schäfer/ B. Schroth, Eisen für den Dünsberg? Nachweis keltischer Verhüttungsanlagen in Wetzlar-Dalheim, Lahn-Dill-Kreis. Hessen Archäologie 2003 (2004) 49-51.
A. Schäfer, Produktionsstandort Wetzlar-Dalheim. 2000 Jahre Eisengewinnung am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges. Berichte der Kommission für archäologische Landesforschung in Hessen 7, 2002/2003, 194-207.
A. Schäfer, Eine Altsiedellandschaft gibt ihr Geheimnis preis. Die Entdeckung einer bandkeramischen Siedlung mit Erdwerk im Lahntal bei Wetzlar. Hessen Archäologie 2002 (2003), 33-36.
A. Schäfer/ B. Schroth, Testgrabungen an einem mehrperiodigen Verhüttungs- und Schmiedeplatz im Eisenrevier an der mittleren Lahn. Hessen Archäologie 2002 (2003), 145-148.
A. Schäfer/ N. Buthmann/ B. Zickgraf, Wetzlar-Dalheim vor Buderus. Zu den Anfängen der Eisengewinnung im Lahntal. Hessen Archäologie 2001 (2002), 120-123.
A. Schäfer/ Th. Stöllner, Frühe Metallgewinnung im Mittleren Lahntal. Vorbericht über die Forschungen der Jahre 1999-2001. Mit Beiträgen von N. Buthmann/B. Zickgraf, G. Gassmann, A. Kreuz und K. Röttger. Berichte der Kommission für archäologische Landesforschung in Hessen 6, 2000/2001 (2001), 83-111.

in Kooperation mit:
ARGUS - Archäologische Recherchen und Geowissenschaftliche Untersuchungen, Tübingen
Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Fachbereich Montanarchäologie ( www.bergbaumuseum.de/start.html )
Posselt & Zickgraf Archäologisch-Geophysikalische Untersuchungen GbR, Marburg                                  ( www.pzp.de/ )
Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts zu Frankfurt ( www.dainst.org/abteilung.php?id=268  )
Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Abt. Archäologische und Paläontologische Denkmalpflege ( www.denkmalpflege-hessen.de/ )
Dr. Monika Doll, Universität Tübingen (osteologische Untersuchungen)                  ( www.archaeozoologie.info/main.html )
Kreisbodendenkmalpflege des Lahn-Dill-Kreises
Stadt Wetzlar ( www.wetzlar.de/ )
Gemeinde Lahnau ( www.lahnau.de/ )
 

Förderung:

seit 2006: DFG

2000-2004:
Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen e.V. ( www.kal-hessen.de/ )
Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts zu Frankfurt ( www.dainst.org/abteilung_268_de.html )
Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Fachbereich Montanarchäologie ( www.bergbaumuseum.de/

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