letzte Aktualisierung | 19.08.2008
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MONTEGIORGIO

Die Jenaer Sammlung (Otto-Schott-Sammlung) der Funde aus Montegiorgio, Provinz Ascoli Piceno, Italien gelangte 1903 über Vermittlung von Dr. S. Baglioni, Prof. M. Verworn und Dr. O. Schott an die Universität. Der Verkäufer G.B. Compagnoni Natali hatte über Jahre hinweg Fundestücke von den Bauern erworben und selbst „Ausgrabungen“ durchgeführt. Finanzielle Nöte zwangen ihn die Sammlung zu  veräußern. Nachdem der italienische Staat kein Gebrauch seines Vorkaufsrechtes gemacht hatte, kaufte Dr. Otto Schott wohl im Namen der Jenaer Gesellschaft für Urgeschichte die Funde für die Universität.

 

Das heutige Montegiorgio (AP) ist eine kleine Ortschaft unweit von Fermo am Mittellauf des Tenna. In unmittelbarer Umgebung befinden die sich aus der Literatur weitaus bekannteren Nekropolen von Grottazzolina und Belmonte Piceno im Hinterland, sowie an der Küste die etwas weiter entfernt liegenden von Cupramarittima und Numana.


Das Örtchen, dessen erste schriftlichen Erwähnungen um 1000 einsetzen, liegt linksseitig des Tenna auf einen 401 m hohen Hügel. Von einer antiken Ansiedlung fehlen eindeutige Spuren, eine Tatsache, für die in erster Linie die kontinuierliche Bebauung und anhaltende Siedlungstätigkeit verantwortlich zu machen sind und die für viele andere Orte der Marchen zutrifft. Von der oder den Nekropolen um Montegiorgio sind wenige, vorwiegend indirekte Hinweise der Literatur zu  entnehmen. In alten Publikationen und Briefen finden sich Erwähnungen einzelner Fluren, in denen Einzelfunde und Gräber zutage getreten sind. Da es an modernen Ausgrabungen fehlt, sind dies die einzigen Zeugen für die Lokalisierung der Bestattungsareale. Einige der in Jena verwahrten Fundstücke entstammen den Fluren Montamboni/Montanboni und Caprella/Capretta; aus Ferrarrini/Ferranini entstammt eine reiche Bestattung mit Schnabelkanne, die gemeinsam mit den Grabinventaren aus San Savino am Museum Ancona verwahrt ist.


Das Material der Sammlung in Jena wurde zu 49 „Grabinventaren“ zusammengefaßt. Diese „Gräber“ sind jedoch größtenteils Früchte der Neuordnung des zur Verfügung stehenden Fundmaterials seitens des Verkäufers der Sammlung. Dieser, obwohl gebildet, leidenschaftlicher Kunstsammler und Ausgräber, stellte offenbar einige Gräber selbst zusammen um deren Verkaufswert zu erhöhen beziehungsweise kaufte schon von den Bauern vermischte Inventare an. Diese Erkenntnis ist den Untersuchungen jüngeren Datums zu verdanken, die zumindest eine gewisse Vorsicht im Umgang mit dem Fundmaterial anraten. Eine abschließende Bewertung der Sammlung wird erst nach Aufarbeitung und weiterer Materialvorlagen aus den Marchen zu ziehen sein. Dennoch handelt es sich wohl um die größte Kollektion picenischer Hinterlassenschaften außerhalb Italiens und derzeit um den umfangreichsten und einzigen zugänglichen Zeugen für das eisenzeitliche Montegiorgio und damit für das mittlere Tenna-Tal.


Die abgebildete Fibel ist einer der wenigen Zeugen die für eine Nutzung der Nekropolen um Montegiorgio im 9. Jh. v. Chr sprechen. Zahlreicher sind Funde die an das Ende des 7.Jhs.v.Chr. datieren und für einen Anstieg der Bevölkerung und damit Intensivierung der Bestattungstätigkeit sprechen. Hierzu zählen zum Beispiel der Helm vom Typ Montegiorgio und die große Kahnfibel mit Gehänge.Eine besondere künstlerische Eigenart von Montegiorgio, die auch Beweise einer der örtlich anzusetzenden Bronzeverarbeitung ist, sind die Diskusse vom Typ Montegiorgio  und die massiven Anhänger mit stilisierten Pferdeprotomen vom Typ Montegiorgio


Während die Anhänger Entsprechungen im Formeninventar der der picenischen Kultur finden, jedoch deutlich kleineren Formats, sind die Diskusse, die nahezu die Größe von Reifen annehmen können (Dm. bis circa 40 cm), ohne überregionale Parallelen. Für letztere fehlen eindeutige Fundzusammenhänge, was ihre Interpretation und spezifische Bestimmung erschwert.

Die überlieferten Funde sprechen derzeit für eine intensive Belegung der Nekropole(n) um Montegiorgio innerhalb des 6. und der ersten Hälfte des 5. Jhs.v.Chr., ein Zeitraum, der auch allgemein als die Blütezeit der Picenischen Kultur angesehen wird. Ein Großteil der in Jena verwahrten Funde gehört diesem Zeithorizont an, wie z.B. Dreiknopffibeln, Armringe und Pektorale Fundgattungen die der weiblichen Tracht zugesprochen werden und zahlreich in der Jenaer Sammlung vertreten sind.



Um 500 v. Chr. und in den folgenden Jahrzehnten ist ein Rückgang der Bestattungstätigkeit wahrnehmbar, der zum Abbruch der Nekropolen führt. Ob damit eine Aufgabe der Siedlung beziehungsweise ein Verlassen der Ortschaft einhergeht steht offen, zumindest fehlen eindeutige Funde, die für ein Weiterleben nach der Mitte des 5. Jhs. v. Chr. sprechen.

Die Jenaer Sammlung der Funde aus Montegiorgio wurde im Zuge einer italienisch-deutschen Kooperation und in zwei Magisterarbeiten aufgearbeitet. Die Publikation und Gesamtvorlage des Materials mit Beiträgen von A. Coen, F. Russo, S. Seidel und H. Storch ist derzeit in Vorbereitung und wird 2006 in der Reihe „Jenaer Schriften zur Vor- und Frühgeschichte“ als Band 2 erscheinen.

Projektleitung: Prof. Dr. Peter Ettel
MitarbeiterInnen: S. Seidel
Laufzeit: seit 2006
Fördernde und mitwirkende Institutionen: Dr. M. Buora, Civici Musei Udine, Prof. M. Gustin, University of Primorska

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