Die Fundsituation in Mühlen Eichsen erfordert konservatorische Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Grabungspraktika, wie zum Beispiel die Anleitung zu Notbergungs- und Notkonservierungsmaßnahmen im Gelände. Einen weiteren Aspekt stellt die Vermittlung der materialspezifischen Anforderungen an die Lagerung grabungsfrischer Fundobjekte dar. An die Ausgrabung schließt sich die weitere Bearbeitung und Konservierung der Funde an, bei denen die Studierenden im Rahmen von Lehrveranstaltungen und Praktika ebenfalls miteinbezogen werden. Beispiele hierfür sind das Ausnehmen und Zusammensetzen der geborgenen Urnen.
Die bei der Grabung geborgenen Urnen werden mit Gipsbinden gesichert. In der bereits zur Hälfte ausgenommenen Urne zeichnet sich ein gebogener Gürtelhaken als Beigabe ab.
Die Keramikfunde von Mühlen Eichsen bereiten aufgrund ihrer teilweise sehr brüchigen Konsistenz große Probleme bei der Bergung und dem späteren Zusammensetzen, was bei vorgeschichtlicher Keramik auf den in der Regel schwachen Brand zurückzuführen ist. Besonders empfindliche Gefäße, die schon bei der Bergung zu zerfallen drohen, werden daher auf der Grabung im Block geborgen und gegebenenfalls bereits vor Ort gefestigt.
An der ausgenommenen und gefestigten Urne werden noch einzelne, zugehörige Bruchstücke angepasst.
Ein weiteres Problem ist der äußerst schlechte Erhaltungszustand der Metallfunde.
Die Ursachen sind hauptsächlich bei den Bodenlagerungsbedingungen zu suchen. Die Gräber von Mühlen Eichsen befinden sich nur wenig unter der Erdoberfläche, die heute noch landwirtschaftlich genutzt wird. Die schädigenden Salze in den dabei eingesetzten Düngemitteln führen zu äußerst agressiven Korrosionsprozessen an den Metallartefakten.
Holsteiner Gürtel I - bestehend aus eiserner Scharnierplatte, bronzener Plattengliederkette, Bronzeringen mit Zwingen, Gürtelring, und Resten von Randschienen, restauriert von Hildegund Storch.
Besonders für die Eisenfunde sind aufgrund der sehr hohen Salzbelastung die Aufbewahrungsbedingungen nach der Bergung und geeignete Entsalzungsverfahren ausschlaggebend.
Neben den zeittypischen Fibel- und Nadelformen, sowie zahlreichen Gürtelhaken, -ringen und Zwingen konnten bereits zwei der sogenannten Holsteiner Gürtel geborgen werden.
Holsteiner Gürtel I – Zeichnung mit teilweiser Rekonstruktion von Zeichnerin Evelin Haase.
Die Restaurierungsschritte am Beispiel des Holsteiner Gürtels II
Nach der Entsalzung und Festigung gefährdeter Bereiche werden passende Bruchstücke zusammengefügt. Anschließend können die groben Korrosionsschichten an den Eisenteilen mit den Schleifrädchen entfernt werden. Der Feinabtrag bis zur originalen Oberfläche kann mit dem Mikrostrahlgerät ausgeführt werden. Die vom Material viel weicheren Bronzeteile werden aufgrund ihrer Empfindlichkeit nur mit dem Skalpell unter mikroskopischer Betrachtung von anhaftenden Verkrustungen befreit.
Holsteiner Gürtel II – stark fragmentierter und korrodierter Zustand nach der Bergung, vor der Restaurierung.
Abtrag dicker Korrosionsschichten mit dem Schleifrädchen.
Zuordnung einzelner Bruchstücke der Bronzebeschläge.
Abschließend werden alle Teile mit einem Wachsüberzug konserviert. Nach der Restaurierung werden die Fundstücke zeichnerisch dokumentiert und, wenn möglich, rekonstruiert.
Der Gürtel besteht aus eisernem Plattengürtelhaken in drei Teilen und einer eisernen Mittelplatte (links) mit Resten einer Bronzeblechauflage sowie einem Gürtelring und zahlreichen Bronzenieten.
Der Holsteiner Gürtel II nach der Restaurierung.
Holsteiner Gürtel II in der Zeichnung von Evelin Haase.